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Posts Tagged ‘Wiedereinstieg’

Die Spülmaschine läuft. Die Waschmaschine läuft. Im Ofen brennt ein Feuer. Ich bemühe mich, nicht ständig auf’s Telefon zu gucken, ob der Klingelton eventuell auf „lautlos“ eingestellt ist.

Leo ist in der Krippe und heute bin ich das erste Mal weggefahren.

Theoretisch muss die Kita das „Berliner Modell“ bedienen, bei denen Krippenkinder irrsinnig lange in Mini-Schrittchen eingewöhnt werden. Praktisch ist das in unserer Krippe nicht möglich, weil dort bis Mitte Februar im Zwei-Wochen-Takt je ein neues Kind zur Gruppe dazukommt. Laut Ablaufplan beginnt man wohl mit Trennungszeiten von 10 Minuten!! Das kann ich vielleicht noch bei Kindern unter 12 Monaten verstehen, aber gerade bei Zweijährigen (knapp) würden 10 Minuten entweder gar nicht auffallen oder sogar irritieren. Bei Leo würden sie nicht auffallen. Heute ist der dritte Eingewöhnungstag und die letzten beiden Tage waren wir gemeinsam je eine Stunde dort. Es gefällt ihm sehr, er geht offen auf die anderen Kinder und die Erzieherinnen zu und er hat sich nicht einmal nach mir umgesehen. Das hat ihnen und mir das Gefühl gegeben, wir könnten bereits heute statt erst am Montag mit der Trennung beginnen und zwar nicht in Minutenschritten, sondern in der „Wir gucken mal“-Zeiteinheit. Eine Stunde schlugen sie vor, „ruft mich einfach an“ bot ich ihnen an. So ist es nun.

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Und jetzt ist er bereits über eine Stunde dort allein, ich war beim Bäcker frühstücken und jetzt weiß ich auch nicht. Davon, die freie Zeit zu genießen, kann keine Rede sein. Es ist nämlich nicht so, dass ich die Zeit mit Leo nicht genossen hätte, im Gegenteil. Leo ist eine äußerst angenehme Gesellschaft. Wir haben entspannte Vormittage, an denen ich hier und da ein wenig im Haushalt erledige (mein Mann lacht jetzt sicher laut!) und Leo spielt oder wir erledigen gemeinsam Einkäufe und kochen. Genau wie Anton, kann er sich unwahrscheinlich gut selbst beschäftigen und hilft mir beim kochen, beim Ausräumen der Geschirrspüle und Staubsaugen. Seine Liebe zu meinen Töpfen als Spielzeuge flaut langsam etwas ab, ist aber noch immer groß. Das Interesse schwindet nun schneller dabei, weil er ein neues Hobby hat: Holzeisenbahn!

Anton (jetzt 5 1/2) war und ist nie an Fahrzeugen interessiert gewesen, lediglich seine Eisenbahnen waren seine große Liebe. Allerdings ging es dabei nie um die Eisenbahnen an sich, sondern um die Konstruktion von großartigen Schienenstrecken! Das ist bis heute so. Er ist der Konstrukteur in jeder Hinsicht. Bei Leo ist es genau andersrum. Er setzt zwar sehr gern Schienen zusammen, aber ist glücklich, wenn ich ihm einfach ein schnödes Oval zusammensetze, damit er seine Lok und zig Waggons darüber schieben kann. Und er schiebt und schiebt und setzt neue Waggons zusammen und freut sich. Selbst die elektrische Lok wird noch von ihm geschoben, er will das manuell machen.

In der Krippe ist er überraschenderweise nicht gleich zur Spielküche gerannt, sondern hat sich mit einer sehr geräuschvollen V-Tech Garage mit vielen geräuschvollen Autos angefreundet. Ich bin sehr neugierig, wie seine Interessen sich ab jetzt entwickeln werden!

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Er wird ab dem 15. Vollzeit im Kindergarten sein, denn ab dann beginnt mein neuer Job. 25 Stunden die Woche werde ich mein Hirn wieder mehr anstrengen können und ich freue mich sehr darauf, weil es kein „Notjob“ ist, sondern weil ich diese Stelle unbedingt wollte. Ich werde ganz in der Nähe im kulturellen Bereich im öffentlichen Dienst arbeiten und werde dort bereits freudig erwartet! Und ich werde die Kinder gegen 15 Uhr abholen und habe dann ZEIT. Keine Mittagsschläfchen, keine Mahlzeit, keine Einkauftouren. Vielleicht ist das für alle Beteiligten von Vorteil.

Der 15. ist im Übrigen auch ein weiterer Meilenstein: Ab diesem Tag bekommt er keine Medikamente mehr! Der nächste EEG ist am 17. Februar.

Trotzdem bin ich wehmütig. Es ist ja nicht so, dass ich keine Lust mehr auf die Zeit mit Leo zu Hause habe. Unsere Vormittage sind schön. Waren schön. Ich bin tatsächlich etwas eifersüchtig auf die Erzieherinnen, weil sie nun so viel Zeit mit ihm verbringen dürfen und so viele Entwicklungssprünge früher miterleben werden, als ich. Und dann gleich so lange täglich: Bei Anton haben wir etwa im gleichen Alter (+2 Monate) mit 3 bis 4 Stunden angefangen, was in dem Alter völlig ausreicht, wie ich finde.

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10:00 Uhr. Noch immer kein Anruf. Wow, ich bin stolz auf Leo! Er kennt diese Leute erst seit zwei Tagen. Aber es ist auf wirklich schön dort, trotz derzeitiger Containerlösung. Bevor ich gegangen bin, hab ich noch ein heimliches Foto durchs Fenster des Wickelraums geschossen. Es scheint Tradition unter den Kindern zu sein, dass sie nach Erhalt ihrer Trinkbecher „Meiner!“ rufen. Leo hat das direkt übernommen und sich köstlich amüsiert.

So. Nun ist der Anruf gekommen, ich soll um 10:30 Uhr wieder dort sein. Wow. Mein kleiner Held – zwei Stunden und noch immer gute Laune 🙂 Ich muss los. Schreibfehler korrigiere ich später.

P.S. Ich habe ihn schon durch die bodentiefen Fenster gesehen, er spielte an der Spielküche und kam fröhlich zu mir gerannt und bereitwillig mit nach Hause. So wird’s jetzt weitergehen, ich bringe ihn, ich gehe, ich hole ihn gegen halb 11. Bis er Ende nächster Woche dann schon dort isst und schläft! Es ging ihm super, er hatte sehr viel Spaß und zwei Portionen gefrühstückt. Ich sehe ja, wie sie mit den gerade frisch eingewöhnten Kindern umgehen, deren Mütter nun nicht mehr da bleiben. Die kleine D. weint jedesmal (intensiv aber kurz) und wird dabei vollkommen ernst genommen und bekuschelt. Selbst ich hatte sie schon auf dem Schoß. Also weiß ich Leo in guten Händen, selbst wenn er mal einen schwierigen Start haben sollte.

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