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Die Spülmaschine läuft. Die Waschmaschine läuft. Im Ofen brennt ein Feuer. Ich bemühe mich, nicht ständig auf’s Telefon zu gucken, ob der Klingelton eventuell auf „lautlos“ eingestellt ist.

Leo ist in der Krippe und heute bin ich das erste Mal weggefahren.

Theoretisch muss die Kita das „Berliner Modell“ bedienen, bei denen Krippenkinder irrsinnig lange in Mini-Schrittchen eingewöhnt werden. Praktisch ist das in unserer Krippe nicht möglich, weil dort bis Mitte Februar im Zwei-Wochen-Takt je ein neues Kind zur Gruppe dazukommt. Laut Ablaufplan beginnt man wohl mit Trennungszeiten von 10 Minuten!! Das kann ich vielleicht noch bei Kindern unter 12 Monaten verstehen, aber gerade bei Zweijährigen (knapp) würden 10 Minuten entweder gar nicht auffallen oder sogar irritieren. Bei Leo würden sie nicht auffallen. Heute ist der dritte Eingewöhnungstag und die letzten beiden Tage waren wir gemeinsam je eine Stunde dort. Es gefällt ihm sehr, er geht offen auf die anderen Kinder und die Erzieherinnen zu und er hat sich nicht einmal nach mir umgesehen. Das hat ihnen und mir das Gefühl gegeben, wir könnten bereits heute statt erst am Montag mit der Trennung beginnen und zwar nicht in Minutenschritten, sondern in der „Wir gucken mal“-Zeiteinheit. Eine Stunde schlugen sie vor, „ruft mich einfach an“ bot ich ihnen an. So ist es nun.

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Und jetzt ist er bereits über eine Stunde dort allein, ich war beim Bäcker frühstücken und jetzt weiß ich auch nicht. Davon, die freie Zeit zu genießen, kann keine Rede sein. Es ist nämlich nicht so, dass ich die Zeit mit Leo nicht genossen hätte, im Gegenteil. Leo ist eine äußerst angenehme Gesellschaft. Wir haben entspannte Vormittage, an denen ich hier und da ein wenig im Haushalt erledige (mein Mann lacht jetzt sicher laut!) und Leo spielt oder wir erledigen gemeinsam Einkäufe und kochen. Genau wie Anton, kann er sich unwahrscheinlich gut selbst beschäftigen und hilft mir beim kochen, beim Ausräumen der Geschirrspüle und Staubsaugen. Seine Liebe zu meinen Töpfen als Spielzeuge flaut langsam etwas ab, ist aber noch immer groß. Das Interesse schwindet nun schneller dabei, weil er ein neues Hobby hat: Holzeisenbahn!

Anton (jetzt 5 1/2) war und ist nie an Fahrzeugen interessiert gewesen, lediglich seine Eisenbahnen waren seine große Liebe. Allerdings ging es dabei nie um die Eisenbahnen an sich, sondern um die Konstruktion von großartigen Schienenstrecken! Das ist bis heute so. Er ist der Konstrukteur in jeder Hinsicht. Bei Leo ist es genau andersrum. Er setzt zwar sehr gern Schienen zusammen, aber ist glücklich, wenn ich ihm einfach ein schnödes Oval zusammensetze, damit er seine Lok und zig Waggons darüber schieben kann. Und er schiebt und schiebt und setzt neue Waggons zusammen und freut sich. Selbst die elektrische Lok wird noch von ihm geschoben, er will das manuell machen.

In der Krippe ist er überraschenderweise nicht gleich zur Spielküche gerannt, sondern hat sich mit einer sehr geräuschvollen V-Tech Garage mit vielen geräuschvollen Autos angefreundet. Ich bin sehr neugierig, wie seine Interessen sich ab jetzt entwickeln werden!

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Er wird ab dem 15. Vollzeit im Kindergarten sein, denn ab dann beginnt mein neuer Job. 25 Stunden die Woche werde ich mein Hirn wieder mehr anstrengen können und ich freue mich sehr darauf, weil es kein „Notjob“ ist, sondern weil ich diese Stelle unbedingt wollte. Ich werde ganz in der Nähe im kulturellen Bereich im öffentlichen Dienst arbeiten und werde dort bereits freudig erwartet! Und ich werde die Kinder gegen 15 Uhr abholen und habe dann ZEIT. Keine Mittagsschläfchen, keine Mahlzeit, keine Einkauftouren. Vielleicht ist das für alle Beteiligten von Vorteil.

Der 15. ist im Übrigen auch ein weiterer Meilenstein: Ab diesem Tag bekommt er keine Medikamente mehr! Der nächste EEG ist am 17. Februar.

Trotzdem bin ich wehmütig. Es ist ja nicht so, dass ich keine Lust mehr auf die Zeit mit Leo zu Hause habe. Unsere Vormittage sind schön. Waren schön. Ich bin tatsächlich etwas eifersüchtig auf die Erzieherinnen, weil sie nun so viel Zeit mit ihm verbringen dürfen und so viele Entwicklungssprünge früher miterleben werden, als ich. Und dann gleich so lange täglich: Bei Anton haben wir etwa im gleichen Alter (+2 Monate) mit 3 bis 4 Stunden angefangen, was in dem Alter völlig ausreicht, wie ich finde.

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10:00 Uhr. Noch immer kein Anruf. Wow, ich bin stolz auf Leo! Er kennt diese Leute erst seit zwei Tagen. Aber es ist auf wirklich schön dort, trotz derzeitiger Containerlösung. Bevor ich gegangen bin, hab ich noch ein heimliches Foto durchs Fenster des Wickelraums geschossen. Es scheint Tradition unter den Kindern zu sein, dass sie nach Erhalt ihrer Trinkbecher „Meiner!“ rufen. Leo hat das direkt übernommen und sich köstlich amüsiert.

So. Nun ist der Anruf gekommen, ich soll um 10:30 Uhr wieder dort sein. Wow. Mein kleiner Held – zwei Stunden und noch immer gute Laune 🙂 Ich muss los. Schreibfehler korrigiere ich später.

P.S. Ich habe ihn schon durch die bodentiefen Fenster gesehen, er spielte an der Spielküche und kam fröhlich zu mir gerannt und bereitwillig mit nach Hause. So wird’s jetzt weitergehen, ich bringe ihn, ich gehe, ich hole ihn gegen halb 11. Bis er Ende nächster Woche dann schon dort isst und schläft! Es ging ihm super, er hatte sehr viel Spaß und zwei Portionen gefrühstückt. Ich sehe ja, wie sie mit den gerade frisch eingewöhnten Kindern umgehen, deren Mütter nun nicht mehr da bleiben. Die kleine D. weint jedesmal (intensiv aber kurz) und wird dabei vollkommen ernst genommen und bekuschelt. Selbst ich hatte sie schon auf dem Schoß. Also weiß ich Leo in guten Händen, selbst wenn er mal einen schwierigen Start haben sollte.

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Anton geht seit gestern wieder ganztags in den Kindergarten. Das hatten wir seit November ausgesetzt, weil ihm das nicht gut getan hat. Nun ist die Lage eine andere, er ist im letzten Kita-Jahr, dadurch beitragsfrei und seine Papageien-Gruppe hat einen eigenen Raum in der oberen Etage bekommen. Es herrscht also mehr Ruhe für ihn, er hat eine feste kleine Gruppe (10 Kinder) und er ist einfach mal viel älter geworden und hat sich ganz stark weiterentwickelt. An nur zwei Tagen die Woche ist er nun bis 16 Uhr im Kindergarten und isst auch wieder dort. Mittwochs ist er bei Oma H. und dort gibt’s traditionell Pfannkuchen und donnerstags ist Oma D. immer hier, Anton somit auch. Er will ja was von seinen Omas haben. Freitags sind die Kinder in der Turnhalle und ich finde dass das ein schöner Abschluss in’s Wochenende ist, somit ist das unser gemeinsamer Mittagessen-Tag mit ihm, mir und Leo. Dann darf Anton auch (mit-)bestimmen, was es geben soll. Wird also der Pommes/Tortellini-Tag 🙂

Ihr könnt schon erkennen, dass Antons Lieblingsessen keine besonders große Varianz aufweisen. Und außerdem ist -entgegen aller Empfehlungen- an ein harmonisches Essen selten zu denken. Wie auch, wenn man nach dem Kindergarten zu Hause sofort in den typischen „Was gibt’s denn? – Mag ich nicht!“-Dialog verfällt. Es fällt mir leider extrem schwer, seine Ablehnung nicht persönlich zu nehmen. Er findet essen per se „langweilig“

„Immer dieses Sitzen, Essen in den Mund stecken, kauen… das ist doch langweilig!“ Er genießt nicht, für ihn ist Essen nur das Stopfen des Lochs im Magen, das er eher selten fühlt. Gemeinsam am Tisch sitzen ist für ihn kein schönes Familienerlebnis, sondern eine schnellstmöglich abzuhandelnde Aufgabe. Eher lästig. Schwiegermama und Schwägerin erkennen seinen Vater als Kind in ihm. Antons Papa hatte wohl ähnliche Vorlieben (keine Brotrinde, Gemüse nur in Form von Mais und Erbsen, keine Aufläufe, kein Brotbelag…)

Wenn ich seine Liste der Dinge, die er mag, aber mit anderen Kindern vergleiche, isst er sogar noch abwechslungsreich! Da gibt’s die Jungs, die täglich Kartoffeln mit Quark (aber nur einem ganz bestimmten!) essen, jene, die seit 5 Jahren jeden Abend Honigbrot essen, die, die keine Eier mögen, keine Äpfel mit Schale, keine Äpfel ohne Schale, keine Gurken, Tomaten, Nudeln,.. alles dabei. Sogar keine Erdbeeren!! Wie kann man keine Erdbeeren mögen?

Insofern sind wir gar nicht so schlecht aufgestellt. Eigentlich. Trotzdem ist Mittagessen hier oft ein Kampf. Diese komische Probier-Regel ist auch unnütz, wenn das Kind schon vorher beschlossen hat, das Probierobjekt sowieso nicht mögen zu werden. Egal ob es dann vielleicht doch schmeckt, der Stolz siegt. „Also bei uns gilt die Regel, dass alles probiert werden, aber nichts aufgegessen werden muss.“ Ich hab’s versucht, was ist der Sinn darin, ein Kind zum probieren zu zwingen? Wie soll dieses Zwingen überhaupt gehen? Da muss schon eine gewisse Probierbereitwilligkeit vorliegen.

Dinge, die Anton schon mehrmals gegessen hat, müssen trotzdem nochmal „probiert“ werden, egal wie sehr ich ihm versichere, dass er es jedesmal sehr gerne mochte. Stichwort „Quarkkeulchen mit Kompott“. Endlich, endlich darf das Gericht auf seine Liste, er glaubt es mir jetzt.

Der Witz ist aber, dass er gerne völlig verrückte Sachen probiert. Die noch nicht zubereitet sind (roher Waffelteig) , die andere eklig finden (Butter pur), oder die vermeintlich nicht zusammen passen (Leberwurst & Marmelade). Das macht ihm dann Spaß. Aber die Gerichte, die ich koche (und ich kann kochen!!) und über die ich mir vorher Gedanken gemacht habe?

Jedenfalls. Jedenfalls isst er ja nun nur noch einen Wochentag mittags mit uns. Das gibt mir hier zu Hause ganz neue Möglichkeiten! Ich kann mich kulinarisch austoben, kann wieder so kochen, dass der Mann davon auch was hat (wer nimmt schon Kartoffelpuffer mit zur Arbeit…) und kann Leo auch schon vor dem Mittag schlafen lassen ohne mit dem übermüdeten Zwerg um 12 zum Kiga düsen zu müssen und ihm krampfhaft bis 13 Uhr wach zu halten.

Gestern habe ich mir gleich zwei tolle Rezepte rausgesucht, die den Anfang machen. Das hier:

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Äh, nee. Zu spät. Ich meine das hier 🙂

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Kürbisrisotto! Mit allem drum und dran (Weißwein, Parmesan, Brühe angießen…) und haufenweise Butternut-Kürbis. Es war so köstlich! Rezept hier.

Heute gab es aus meinem Rezeptsammelsurium diese Couscous-Burger, die Leo und ich einfach mit Schmortomaten gegessen haben (Cherrytomaten, 1 EL Öl, 1 EL Balsamico, 180 im Ofen bis sie aufgeplatzt sind und verboten gut aussehen!).

180g gekochter Couscous wird mit 400g (AG) pürierten, großen, weißen Bohnen, 1 EL Mehl, 1 Bund Petersilie, 2 Knoblauchzehen, Pfeffer, Salz und Gewürzen nach Wahl vermischt, 30 Min im Kühlschrank gelagert und zu Buletten geformt. Ich nehme dabei immer gern Vollkornbrösel zur Hilfe, das erleichert das Formen und Braten. 4 Min von jeder Seite braten. Der Mann bekommt sie heute nachmittag im Burgerbrötchen mit Salat und Gurke, wir sind pur mit einem Klecks Sour Creme geblieben.

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Leo hat schon vor dem Essen geschlafen, weil er sich bei der Vorbereitung zur mir auf die Arbeitsplatte gesetzt hatte und genussvoll weiße Bohnen und gekochten Couscous genascht hat. Und ausgehungert nach zweistündigem Nickerchen hat er sich auf die Burger und vor allem die Tomaten gestürzt.

Das gibt mir ein bisschen Genugtuung 🙂 Nach all der Zeit, in der mein Essen verschmäht wurde, schätzt nun endlich jemand zur Mittagszeit meine Bemühungen. Und so kann’s jetzt weitergehen. Ich bin sonst nicht so der Essensfotografierer, aber dann und wann werde ich besonders leckere Rezepte bestimmt mal wieder dokumentieren. Gut’n!

Wer Lust hat sich in Bezug auf Leos Epilepsie auf den neuesten Stand zu bringen, kann gern hier mal gucken.

Hier im Blog schreib ich darüber nur mal nebenbei. Weil’s abgesehen von den Medikamenten-Dosen einfach keine Rolle in unserem Leben spielt. Toi toi toi.

Anton war seit Babyzeit ein Bücherjunkie. Bis heute ist es erstaunlich, wie konzentriert und ausdauernd er zuhört und mitmacht beim Bücher lesen. Er ist Fünf und gestern begann mein Mann tatsächlich ihm den Hobbit vorzulesen! Der Hobbit ist ja sogar ein Kinderbuch, aber vielleicht nicht gerade für Fünfjährige könnte man meinen. Er hat ihm vorgelesen, bis alle Zwerge bei Bilbo Beutlin angekommen waren – Kenner wissen, dass das ne ganze Weile dauert!

Das ist aber auch das einzige Buch, das seinem Alter so sehr voraus ist. Ansonsten steht er -wie andere Fünfjährige- voll auf Drache Kokosnuss und Michel aus Lönneberga (er sieht auch so aus 😀 )

Und dann ist da Leo.

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Leo pfeift auf Bücher. Das hatte ich bereits mehrmals erwähnt. Da ich mich im Internet gern auf Seiten tummle, die irgendwie mit moderner Elternschaft zu tun haben und mir aus allen Bereichen Dinge für mich heraussuche, die zu uns passen, bin ich über Eltern vom Mars auf die Idee gekommen, Bücher mit Gegenständen zu kombinieren und sie somit mit Leo mehr zu bespielen als sie Seite für Seite vorzulesen! Das zieht zumindest für einen Moment seine Aufmerksamkeit.

Und: Es lässt sich phantastisch mit Gebärden kombinieren! Montessori meets Babygebärden!

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Ich habe eine Kiste für ihn bereitgestellt, an die er jederzeit herankommt und die fertig sortiert ist: 3 Bauernhof-Bücher, die mir sehr gut gefallen und passend dazu alle Tiere, die ich hier gefunden habe, die im Buch vorkommen und ein Trecker. Was zu Montessori passt: Die „echten“ Tiere, die „echten“ Sounds im Geräusche-Buch und das System der „Körbchen“. Was nicht zu Montessori passt: Bodo Bär als bekleidete, aufrechtgehende Hauptperson und die Plastikkiste statt des Weidenkörbchens. Wenn man mal ganz pingelig ist: Ihr seht, ich nutze die Idee und setzte sie so um, dass sie zu mir passt.

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Ich liebe Bodo Bär-Bücher, weil ich die Illustrationen so schön finde, weil sie kunterbunt sind und weil wir uns trotz Menschsein in seinen Alltagssituationen wiederfinden. Und Anton hat sich nie die Frage gestellt, wie es denn sein kann, dass ein Bär sich wie ein Mensch verhält und -nanu!- er hat auch nie erwartet, Bodo Bär im Zoo zu treffen. Die können das ganz gut differenzieren, die Kleinen.

Beginne ich also das Spiel, lege ich die Bücher auf den Boden und lasse Leo entscheiden, welches er ansehen will. Meist sind es gleich zwei und eigentlich hat er auch mehr Interesse daran, die Kiste ein- und auszupacken. Aber es klappt jedes Mal ein bisschen besser (ich mach das ja erst seit ein paar Tagen unregelmäßig) – ich zeige ihm die passenden Tiere und die Tierlaute, ich erzähle, was sie gerade tun, ich gebärde dazu, ziehe seinen Blick kurzzeitig auf mich, indem ich das Tier langsam zu meinem Gesicht führe, ich zeige ihm die Gebärde für „das gleiche“ und ich erinnere ihn an vergangene Situationen (Du hast eine Katze gesehen, Du hast die Hühner mit Gras gefüttert, …). Nicht immer alles, eben so wie es grad passt.

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Jetzt wollt ihr lesen, dass er sich damit stuuuundenlang beschäftigen kann 😀 Nein. Der Spaß hält vielleicht mal 5 oder 10 Minuten an. Aber er nimmt die Tiere auch selbst in die Hand und lässt sie über das Buch laufen oder picken, er drückt den Sound-Knopf und er zeigt mir NOCHMAL, wenn ihm etwas gut gefallen hat. Und dann geht er. Und dann waren es sehr schöne 5-10 Minuten!

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Die Bücher unserer Wahl, weil wir sie alle schon da hatten: Bodo Bär auf dem Bauernhof, Mein großes Bauernhof-Fühlbuch (die Teile zum Fühlen hätte ich mir realistischer gewünscht. Aber es geht einfach nur darum, überhaupt etwas fühlen zu können, ein bisschen schade) und Hörst Du die Tiere vom Bauernhof, was Teil einer großartigen Reihe von Sound-Büchern mit echten Geräuschen ist. (Das ist keine Werbung, ich hab nix davon).

 

 

 

Ich würde ja neues vom Gebärden schreiben, wenn ich könnte. Kann ich aber nicht. Denn nach dem Run ist hier vor dem Run. Mehr als die Gebärden vom letzten Beitrag sind es nicht geworden und so richtig super glücklich bin ich mit seiner Auswahl nicht, auch wenn das ziemlich dumm klingt.

Immerhin hat Leo ja die für sich wichtigsten Zeichen ausgewählt und die olle Mutter ist mal wieder nicht zufrieden?

Naja. Da nach wie vor nix Duden-gerechtes außer „Mama“ und sowas wie „trinken“ (trrrkrrr) in Worten aus seinem hübschen Mund kommt, werde ich zugegebenermaßen ungeduldig. (Wobei er gerade eben beim ins-Bett-gehen immer auf meine Augen gezeigt hat, irgendwann dann „Auge“ und auch mein jubelndes „Jaaa“ nachgesprochen hat!)

Ist das schlimm, das zuzugeben? Jaja, jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Sie werden schon alle irgendwann sprechen. Er ist doch nichtmal 17 Monate alt. Er trainiert eben erstmal seine Motorik und erklimmt vorzugweise Tische. Irgendwann sabbelt er Dir die Ohren wund. Bla bla. Ich will aber jetzt Worte! Er will ja nicht mal Bücher angucken… (das hab ich ja vorher nicht geglaubt, dass es solche Kinder gibt!)

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Ich weiß ja selbst, dass meine Ungeduld total lächerlich ist. Ich bin auch nicht ernsthaft ungeduldig, wisst ihr was ich meine? Ich bin in meiner Naivität einfach einmal mehr überrascht, wie anders die beiden Jungs ticken. Wie kann der eine mit 10 Monaten so wild auf Worte sein, während der andere fröhlich in Babysprech vor sich hinplappert und eigentlich nichtmal den Eindruck macht, als würde er daran etwas ändern wollen. Naja und ich hab da halt diese Liste mit Worten, die Anton in Leos Alter drauf hatte. Da fällste vom Glauben ab! Und ich weiß ja nun, dass diese Liste nicht erfunden ist (Und dass mir der Große heutzutage eben jene Ohren wundsabbelt).

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Leo jedenfalls nutzt seine Gebärdenwahl relativ eingeschränkt, weil in immer wiederkehrenden Situationen, selten unvorhergesehen (Vogeluhr zwitschert, es regnet, Mama soll singen, nochmal Kniereiter,…). Seit ein paar Wochen ist LICHT AN/AUS ganz weit oben. Gern auch vor Zeugen im Kindergarten oder bei Budni (da ist viiiiel Licht… ja, die Lampe ist auch AN…ja, diese auch, ja, die auch…), was wenigstens mein Geltungsbedürfnis befriedigt mich in gewisser Weise sehr freut (jaHA! HAST Du das gesehen? Wir KOMMUNIZIEREN! Los! Sprich mich drauf an!)

Aber nutzt er sie, wenn es wirklich praktisch wäre? Wenn ich einfach nicht genau weiß, ob er schon fertig mit essen ist (weil er dauernd aufsteht, aber wütend wird, wenn ich ihn vom Stuhl hebe), ob er Hunger oder Durst hat, warum er gerade wütend ist, warum er auf den Arm will und mich in eine bestimmte Richtung dirigiert. Nein, wahrscheinlich ist sein kleiner Kopf dann viel zu sehr mit seiner Notlage beschäftigt, als dass er auf die Idee käme, sie mir per Gebärde zu erklären. (Ja, selbstverständlich finde ich die Antworten auf all dies auch so raus, aber darum geht es ja beim Gebärden mit Babys: Kein trial-an-error nötig! Bzw. ist Essen bei Leo im Zweifel die Antwort auf alles, wenn das Problem vorher auch ein anderes war…)

Das ist alles Leiden auf hohem Niveau! Meinem Spaß an der Sache tut es dennoch keinen Abbruch. Ich gebärde sogar zum Schlaflied und er freut sich darüber sehr und schaut mir aufmerksam zu und versucht sich selbst an der Melodie. Vielleicht singt er dann ja bald für mich 🙂

(Was ich singe? Mittags singe ich aus „Im Märchenwald ist heut Konzert“ das „Lied vom Mittagsschlaf“, abends erst die ersten zwei Strophen von „Schlafe mein Prinzchen“ (die dritte ist doof) und dann „Müde Maus“ von Robert Metcalf von der CD „Ich bin Eins, das ist meins„. Leo liebt sie alle und besteht auf das ganze Sortiment.)

 

Als babySignal-Kursleiterin erwartet man ja von seinen eigenen Kindern, dass sie ganz besonders früh anfangen zu gebärden. Bei Anton war ich noch gar keine Kursleiterin, er fing mit 10 Monaten an und ersetzte die Zeichen dann recht schnell durch Sprache, die sich zeitgleich entwickelte.

Leo ist nun 14 Monate alt. Bei ihm habe ich quasi seit Tag 1 gebärdet, schließlich habe ich ja die nötige Geduld um auch monatelanges Warten auszuhalten und es fällt mir auch nicht schwer, die Gebärden völlig selbstverständlich zu nutzen. Mit 11 Monaten gebärdete er dann auch TRINKEN und NOCHMAL. Aber dann kam nichts mehr. Nicht mal mehr diese zwei Zeichen. Er interessierte sich auch nicht besonders offenkundig für meine Zeichen. Aaaah!

Aber seit ein wenigen Wochen geht’s los, erst tröpfelnd, seit ein paar Tagen ganz enorm und heute war er kaum zu stoppen! Zwei-Wort-Sätze in Gebärden gab’s heute!

Er ist ja Epileptiker und derzeit reduzieren wir monatlich die Medikamentendosis. Tatsächlich wurde sie zuletzt am 01. Juni reduziert… ob das Zeug ihn doch in irgendeiner Form „hemmt“? Bisher war von irgendwelchen Verzögerungen nichts zu erkennen, ich darf ihn halt nicht mit dem wortgewandten Anton vergleichen, der schon früh anfing zu sprechen. Während Leo an „korrekten Worten“ bisher grad mal ein „Mama“ und „nein-nein“ von sich gibt und sich ansonsten auf Dauergebrabbel beschränkt. „Ata“ sagt er noch zu Anton, „Daaaaate“ zu Danke. „Trinken“ übt er gerade, in dem er die Silbe Tri mit einer größeren Anzahl weiterer, variabel wählbarer Buchstaben ergänzt und dabei seine Hand öffnet und schließt.

Viele Gebärden sehen bei Leo noch sehr sehr ähnlich aus, sind aber situationsbedingt unverkennbar. SCHAUKELN und MUSIK beispielsweise, die er bisher nur einhändig gebärdet. SCHMETTERLING, MILCH und TRINKEN sind ebenfalls sehr ähnlich, denn auch hier gebärdet er SCHMETTERLING einhändig und TRINKEN findet noch nicht am Mund statt, sondern noch irgendwo in der Luft.

NOCHMAL ist jetzt hier Dauerbegleitung. Und sieht so niedlich aus, denn er spreizt dazu die kompletten Finger, winkelt den Zeigefinger aber nach vorn ab und wackelt dann mit der Hand. Gebärdet wird dieses Zeichen zu jeder Gelegenheit, heute Nachmittag auf der Spielplatz-Wippe, aber auch in Bezug auf mein Gebärden, das er mit seinen Augen quasi aufsaugt! Die Vogeluhr zwitschert? Er macht mich darauf aufmerksam, ich gebärde TSCHIEP-TSCHIEP und ernte Freude und den abgespreitzen Zeigefinger!

Auf die Frage, ob wir auf den Spielplatz gehen wollen, gebärdete er heute SCHAUKEL und machte sich sofort auf den Weg!

Und als ich ihn dann heute mit Ach und Krach zum Mittagschlaf überreden konnte und ihm dazu ausnahmsweise mal ein Lied vorsang, gebärdete er SINGEN/MUSIK und NOCHMAL in Kombination als ich fertig war!!

Nach einem extrem langen Tag, den wir dauerhaft im Garten und Leo dreimal im Planschbecken verbrachten, habe ich die Kinder heute trotzdem erst unglaublich spät ins Bett gekriegt. Der große Bruder durfte um 21 Uhr noch unter die Dusche, während der Wasserjunkie Leo schon lange bettfertig war. Im Bett war er noch einen kurzen Moment empört und klopfte sich mit der Faust auf die Brust. Ich habe erst später geschaltet, denn diese Gebärde verwende ich nicht ganz so regelmäßig: Das hieß dann wohl, dass er auch nochmal BADEN bzw. unter die Dusche wollte!

Als Dankeschön, dass er so lange Aufbleiben durfte, KLATSCHTE Leo dann zum Abschluss zum ersten Mal in die Hände. Ich liebe solche Tage!

Weitere Gebärden, die er gern verwendet, sind SCHNULLER, TANZEN (er tanzt dann im Autositz, wenn ich das Radio anmachen soll) und SIRENE.

Saumäßig Spaß macht das! Anton fragt mich nach vielen Zeichen, Florian traut sich langsam auch mehr und meine Mama hat die größte Freude an NOCHMAL. Ich hoffe ich fange eine dieser Situationen bald mal in einem Foto ein!

 

 

schmücklig

Anton hat mit Fingerstempeln eine Vogelfamilie getupft und bat mich darum, sie nun noch „schmücklig“ zu machen. Eine eigene Wortkreation, die soviel heißt wie „aufgehübscht“ und so viel wundervoller und bildlicher ist.

Das Wort wandert ab sofort in unseren Wortschatz.

Und in diesen Blog.